|
Bogenschießen in der Mongolei Anlässlich meines Besuches in der Mongolei hatte ich die Gelegenheit
das traditionelle Bogenschießen kennen zu lernen. Im westlichsten Teil
der Mongolei, genauer im Bezirk Altai am Nordrand der Wüste Gobi,
unmittelbar an der Grenze zu China, fand ich beim Stamm der
Kasachen-Mongolen eine kleine Gruppe von Schützen, die noch die
traditionelle Art des Mongolischen Bogenschießens ausübten. Da diese
leider nicht der englischen Sprache mächtig waren und ich natürlich
nicht ihrer Stammessprache, gelang eine Kommunikation nur durch Hände
und Füße! Letztlich wurde mir dann erlaubt an ihren Vorbereitungen zum
anstehenden Nadaam Fest zuzusehen und sie fotografisch festzuhalten.
Letztlich war wohl die von mir getragene SSK-Weste der Eintritt
hierfür. Hier nun mein Bericht:
Bei einem Auszugstest schätzte ich das Zuggewicht auf etwa 50-60 Pfund. Die Eigenarten beim Turnierschießen liegen nun im zu treffenden Ziel. Es wird nicht auf Scheiben geschossen, sondern auf eine Reihe von Lehmkugeln, die am Boden liegen. Durchmesser ca. 10 cm. Diese sollen die zu treffenden Bodentiere (Hühner, Tauben, Murmeltiere) simulieren. Etwa 2,5 Meter vor und hinter der Lehmkugelreihe werden kleine Wälle, etwa 10 - 15 cm hoch, aus Boden aufgeschichtet.
Aus etwa 30 Meter schießen nun zwei Schützen im Wechsel je einen Pfeil auf die Lehmkugeln ab.
Trifft der Pfeil vor dem ersten Wall auf dem Boden auf, bleibt er an diesem hängen und gilt nicht als Treffer. Kommt der Pfeil zwischen dem ersten Wall und den Kugeln auf, rutscht er über den Boden trifft eine der Kugeln und bleibt am hinteren Lehmwall hängen. Ein solcher Pfeil gilt als Treffer.
Unmittelbar neben (!) den Kugeln stehen zwei Kampfrichter, die die
Treffer an einen dritten Kampfrichter, der neben den Schützen steht,
durch Handzeichen melden. Nach je 5 Schuss, immer im Wechsel der beiden
Schützen, ist der erste Durchgang beendet und die zweite Paarung tritt
an. Geschossen wird im KO-System. Der Sieger jeder Paarung tritt gegen
den Sieger einer anderen Paarung an, dies entspricht in etwa unserem
Finalschießen ab Landesebene. In welcher Zusammensetzung die Paare
gegeneinander antreten konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.
Interessant ist die Unbekümmertheit mit welcher die Zuschauer als auch
die Kampfrichter den Wettkampf verfolgen. Diese halten sich teilweise
weniger als einen Meter neben den einschlagenden Pfeilen auf.
Die Trefferquote war erstaunlich hoch, etwa 75 % aller Schüsse führten zu einer Wertung. Für mich als "Hightech-Bogenschütze" war dieser Besuch bei den Schützen von Bulgan ein besonderes Erlebnis und hat diese Reise zu einem der letzten großen Nomadenvölker unvergesslich gemacht. Jörg Zborowska
|
||||